Die Kunst, ohne Überfluss glücklich zu leben - von Josef Kirschner

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„Die Kunst, ohne Überfluss zu leben“ wurde bereits in den 80er-Jahren vom mittlerweile verstorbenen deutschen Bestsellerautor Josef Kirchner veröffentlicht. Das Thema ist jedoch aktueller denn je, was den Finanzbuchverlag vermutlich auch dazu bewogen hat, 2020 eine 3. Auflage herauszugeben.

Wer hier jedoch einen reinen Ratgeber zum Thema Minimalismus oder Konsum erwartet, liegt falsch. In dem Buch steckt so viel mehr, aber lest selbst..


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Rezension Die Kunst, ohne Überfluss glücklich zu sein von Josef Kirschner

Seit dem 2. Weltkrieg haben die meisten Menschen hierzulande laut Kirschner das Gefühl für ihre natürlichen Bedürfnisse verloren. In einer Welt, in der man plötzlich alles haben und sein konnte, wollte auch jeder alles haben und sein - ohne sich zu fragen, ob das tatsächlich den inneren Bedürfnissen entspricht oder ob man den Überfluss nur haben will, weil man ihn haben kann.


„Dieses Buch kreist tatsächlich immer um die Fragestellung: „Wie finde ich aus dem Kreislauf des Überflussverhaltens wieder zurück zu mir selbst (…)?“


Das Buch erläutert daher in 35 kurzen, übersichtlichen Lektionen wie der Überfluss heutzutage - materiell und immateriell - unser Leben bestimmt und gibt Anregungen, wie wir diesem Kreislauf für uns ganz persönlich ein Ende setzen können.


Ich persönlich habe für mich vier wesentliche Lehren aus dem Buch ziehen können, die ich unfassbar wertvoll finde und gerne mit euch teilen möchte:


1. Verzicht = Negativ.

Eine Situation wie die aktuelle in Deutschland, stellt unsere Generation vor eine Herausforderung, der wir uns - im Gegensatz zu unseren Eltern oder Großeltern - im Krieg noch nie stellen mussten: Wir müssen verzichten. Das erste Mal in unseren Leben können wir nicht alles haben oder machen, was wir wollen. Und wir sehen selbst, wie viele von uns damit starke Probleme haben. Nicht, weil wir schlechte Menschen sind, sondern weil wir es nie anders gelernt.


„Wir tun es nicht, weil das Misstrauen gegenüber Begriffen wie „Verzicht“, „Einschränkung“ oder „Disziplin“ zu tief in uns steckt.“


Es ist tief in uns verankert, dass es unserer persönlichen Freiheit widerspricht, auf Dinge verzichten zu müssen. Dabei wurde uns jedoch nie die Selbstsicherheit vermittelt, uns in einer Welt unendlicher Möglichkeiten zu fragen: Was wollen wir eigentlich wirklich? Indem wir uns die Quantität des Überflusses flüchten, in das, was alle machen, überspielen wir die Unsicherheit, unsere wirklichen Bedürfnisse nicht zu kennen und sie schon gar nicht vor anderen verteidigen zu können, wenn diese unseren freiwilligen Verzicht auf Dinge nicht verstehen. Aber macht uns das wirklich glücklich?


„Ist es nicht eigenartig: (…) Wir hören uns alles an, und sei es nur aus reiner Höflichkeit. An der Notwendigkeit, uns selbst, unseren Instinkt, unsere wirklichen Bedürfnisse, unsere eigenen Maßstäbe zu befragen, daran scheitern wir.“


2. Fehlende Wertschätzung für das Leben

In der Bequemlichkeit des Überflusses ist unser Kampfinstinkt abgestumpft. Wir müssen nicht mehr hart für Dinge arbeiten. Denn wenn wir ein Ziel haben, welches wir nicht direkt erreichen können, bietet sich jederzeit eine Alternative mit bequemerem Weg. Daher macht es uns scheinbar nichts aus, unser wertvollstes Gut, nämlich unsere Lebenszeit, damit zu verbringen, uns zu ärgern oder zu beschweren.

3. Eine falsche Definition von Glück


„Wir alle sollten wissen, dass dieser Weg der Flucht in das Überflussverhalten nicht der Weg zu uns selbst ist. Denn nur in uns selbst finden wir die Lösungen für unsere Probleme und unser persönliches Glück.“


Glück ist kein Geburtsrecht und wir haben nicht die Kontrolle darüber, wie lange es anhält. Es kommt und geht und wir müssen wieder die Fähigkeit ausprägen, es nicht als selbstverständlich zu betrachten, nicht als etwas, das uns automatisch zusteht. Vielmehr müssen wir wieder in uns hineingehören, was uns wirklich glücklich macht und die Momente wertschätzen, in denen es uns genau das vergönnt ist.


4. Fehlendes Vertrauen in uns selbst

Ist euch auch schon einmal aufgefallen, dass die meisten von uns, sobald wir ein Problem feststellen, sofort darüber nachdenken, wer es für uns lösen könnte? Du fühlst dich schlapp und denkst darüber nach, dir vom Arzt sagen zu lassen, was dir fehlt, anstatt in dich hinein zu hören und dich zu fragen, ob du deinen Körper in den letzten Tagen vielleicht etwas vernachlässigt hast. Du findest es blöd, dass Salat nur in Plastik verpackt im Supermarkt liegt? Wie konnte die Politik bloß immer noch keine Lösung dafür finden?


Ist es nicht paradox? Wir haben ganz tief in uns den Instinkt für das Richtige, wir haben nur verlernt, uns Zeit zu nehmen darauf zu hören. Stattdessen geben wir die Verantwortung für unser Leben in die Hände der Anonymität der Bürokratie oder vermeintlicher Experten - von Fremden, anstatt uns mit uns selbst zu beschäftigen. Warum sollte irgendjemand auf dieser Welt eines unserer Probleme besser lösen können, als wir selbst? Warum sind wir bereit, diese Macht über uns abzugeben?


„Was immer wir erwarten, hat bessere Chancen, sich zu erfüllen, wenn wir mit scheinbar unbedeutenden Veränderungen bei uns selbst beginnen. Statt es mit bedeutenden Worten von anderen zu fordern.“

In Die Kunst ohne Überfluss glücklich zu sein bekommt man einen umfassenden Einblick in die Themen Minimalismus, Genügsamkeit und Achtsamkeit.

Die Lösung?

Wenn wir die Position des „bequemen Massenmenschen“ verlassen und „unkonventionelle“ Dinge tun oder Entscheidungen treffen wollen, müssen wir selbstsicherer werden. Wir müssen wieder lernen, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und uns persönlich um unsere Probleme und das Erreichen unseres Glücks kümmern. Wir müssen uns freiwillig Beschränkungen auferlegen, die wir dann auch nicht als Verzicht wahrnehmen werden, wenn wir für uns selbst definiert haben, was eigentlich unsere echten Bedürfnisse sind.


Der Prozess der individuellen Entscheidungsfindung ist mühevoll. Wir leben in einer Welt, in der gewisse Entscheidungen als selbstverständlich vorausgesetzt und in vielen Fällen von uns erwartet werden (à la „Mit 18 macht man den Führerschein.“, „Wenn man erwachsen ist, baut man ein Haus.“ oder „Als Single kann man nicht glücklich sein.“).


Aber wir sollten unser Leben nach unseren Erfahrungswerten aufbauen. Nur so erlangen wir vollkommenes Glück.

„Wer nach seinen eigenen Bedürfnissen lebt, braucht niemand wegen seines Reichtums zu beneiden.“⠀


Unser Fazit:


Hinter dem Titel des Buches habe ich das Thema „weniger Konsum“ oder „Minimalismus“ vermutet, bekommen habe ich viel mehr: Einen Ratgeber für den Weg zurück zu mir selbst und meinen eigenen Bedürfnissen.

Ein Mutmacher, Augenöffner und großartiges Vermächtnis von Josef Kirschner. Und das Beste: Die gut 200 Seiten bekommt ihr, sogar gebunden, bereits ab 9,99€ z.B. direkt beim Finanzbuchverlag (hier, natürlich auch versandkostenfrei*) oder auch z.B. auf amazon*.


„Disziplin und Verzicht, klare Vorstellungen vom eigenen Leben, bis zur Neige auskosten, was wir besitzen, damit wir nicht in Versuchung geraten, das fehlende Lustgefühl durch überflüssige Quantität zu ersetzen, darauf kommt es an.“


Über den Autor:


Josef Kirschner (1931 - 2016) arbeitete viele Jahre als Journalist, u.a. für das ZDF. Bekannt wurde er durch seinen Bestseller „Die Kunst, ein Egoist zu sein“ woraufhin einige Werke, u.a. auch 1980 erstmals „Die Kunst, ohne Überfluss glücklich zu leben“ folgten. Zudem war er Lehrbeauftragter an der Uni Wien und Berater von Sportlern und Managern.


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